Interview mit Friedrich Merz

Deutscher Wirtschaftsjurist und Politiker.

Viele Menschen kennen Sie als den Politiker Friedrich Merz, aber nicht den Menschen dahinter. Durch was zeichnet sich der Mensch Friedrich Merz aus?

Der Mensch Friedrich Merz ist vor allem ein Familienmensch mit drei Kindern und vier Enkeln. Meine Eltern leben beide im Alter von 96 und 92 Jahren in meiner Geburtsstadt noch im eigenen Hausstand, aber sie benötigen die Hilfe meiner Schwester und mir. Und meine Frau und ich legen sehr viel Wert darauf, Zeit miteinander zu verbringen und uns auch mit Kunst, Musik und Kultur zu beschäftigen. 

Im Jahr 2005 haben Sie anlässlich Ihres 50. Geburtstags eine Stiftung ins Leben gerufen, die jungen Menschen bei Bildung und Ausbildung unterstützt, insbesondere Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Wie kamen Sie dazu? Und warum gerade Bildung?

Der Hintergrund war eigentlich ganz einfach: Wir wollten ein großes Fest feiern, und das haben wir auch getan, aber ich wollte keine Geburtstagsgeschenke. Also haben meine Frau und ich uns gedacht, warum nutzen wir das Momentum nicht und gründen eine eigene Stiftung, mit der wir von da an sozial schwachen Familien bei Bildung und Ausbildung der Kinder helfen? Wir konnten unseren eigenen Kindern alles geben, was sie zum Leben brauchen, aber viele Familien können es eben leider nicht. Und dafür tun wir jetzt seit 15 Jahren etwas. Und es gibt uns selbst sehr viel zurück, dass wir Menschen helfen können.

Friedrich Merz

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. besagt: Je höher der Bildungsabschluss ist, desto wahrscheinlicher engagiert sich eine Person ehrenamtlich. Bildung also als Fundament für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes in einer immer komplexeren Welt?

Ja, so würden wir das sehen. Das ist auch der Leitsatz unserer Arbeit: Wir fördern Entwicklung durch Bildung und Ausbildung.

In den vergangenen 30 Jahren hat der Anteil der ehrenamtlich tätigen Schülerinnen und Schüler ab 17 Jahren stark zugenommen – von 27% im Jahr der Wiedervereinigung auf 46% im Jahr 2017.  Sinnbildlich für diesen „Aufstand der Jugend“ steht die Fridays For Future-Bewegung. Wo sehen Sie die Chancen und Herausforderungen dieser Entwicklung?

Ich begrüße das politische Engagement der jungen Menschen sehr, so haben wir das doch immer gewollt und auch gefordert. Sie müssen aber auch bereit sein, mit uns zu diskutieren. Und diskutieren heißt auch, sich gegenseitig zuzuhören. Dann kommen wir auch zu guten Lösungen.

Von verschiedener Seite wurde in der näheren Vergangenheit immer wieder über die Einführung eines verpflichtenden Allgemeinen Sozialen Jahres (ASJ) diskutiert, möglicherweise sogar auf europäischer Ebene. Was halten Sie von dieser Idee?

Ich bin immer dafür gewesen, über eine bessere Organisation des sozialen Engagements junger Frauen und Männer nachzudenken. Als wir noch Wehrdienst und Ersatzdienst hatten, war so etwas selbstverständlich. Das ist heute viel schwieriger geworden, aber die Gesellschaft kommt nicht aus ohne eine gegenseitiges Geben und Nehmen. Wir sollten diese Diskussion weiterführen – mit der jungen Generation, nicht ohne sie oder gar gegen sie.     

Friedrich Merz

Die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) vergibt Rentenpunkte auf Basis des persönlichen Einkommens, aber auch für Zeiten von Kindererziehung und das Studium. Wäre es nicht denkbar, Rentenpunkte zukünftig auch für gesellschaftliches Engagement zu vergeben?

Ja, darüber kann man nachdenken.

Kommen wir zur Kanzlerschaft: Was haben Sie, was Jens Spahn und Armin Laschet nicht haben?

Ich verfüge über sehr viele politische u n d berufliche Erfahrungen, auch außerhalb der Politik. Ich kenne beide Welten. Das muss kein Nachteil sein, insbesondere wenn die wirtschaftliche Lage schwieriger wird.

Wie übertragen Sie „Gutes tun“ in Ihren privaten Alltag?

Ich stelle mir immer die Frage: Ist es fair für alle Beteiligten? Wenn die Antwort Ja ist, dann ist die Entscheidung meistens die richtige.

Werden Sie sichtbar im Non-Profit-Bereich

Zum Non-Profit-Bereich zählen alleine in deutschsprachigen Raum mehr als 800.000 Organisationen mit mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten. Diese vertreten die gesellschaftlichen Interessen aus den verschiedensten Perspektiven. Dadurch kommt dem Non-Profit-Bereich in sozialer, kultureller Hinsicht als auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht eine große Bedeutung zu. Der gemeinnützige Sektor in seiner selbstorganisierten Form des bürgerlichen Engagements trägt damit wesentlich zum gesellschaftlichen Leben bei.

»Wir tun Gutes.« ist die Anlaufstelle für die Digitalisierung des gemeinnützigen Bereichs. Unser Ziel ist es neben Non-Profit-Organisationen auch Dienstleister zu den Themen Organisation, Finanzierung, Fundraising oder Kommunikation zu einem starken und wirkungsvollen Netzwerk zusammenzubringen. So erhalten auch Unternehmen die Chance Partner für gesellschaftliches Engagement zu werden und öffentlich sichtbar zu werden.

Das Interview führte Christoph Michel, Gründer von Wir tun Gutes.